Das Landgut Chursdorf im Peniger Ortsteil Chursdorf ist weit über die Region hinaus vor allem durch seine Wasserbüffel, die Hofkäserei und Spezialitäten aus Büffelmilch und Büffelfleisch bekannt geworden. Hinter dem Namen steht jedoch keine durchgehend unveränderte Firma. Über viele Jahre traten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts und eine GmbH nebeneinander auf. Hinzu kamen einzelne landwirtschaftliche und gewerbliche Tätigkeiten, die mit Personen aus dem Umfeld des Hofes verbunden waren. Wer nach dem Eigentümer fragt, muss daher zwischen der heutigen Landgut Chursdorf GmbH, der früher insolventen Landgut Chursdorf GbR, dem landwirtschaftlichen Betrieb vor Ort und dem Eigentum an Tieren, Flächen oder Gebäuden unterscheiden.
Die öffentlich verfügbaren Register- und Unternehmensdaten ergeben für die GmbH ein vergleichsweise klares Bild bezüglich der Unternehmensstruktur: Die Landgut Chursdorf GmbH gehört zu 100 Prozent der GRUMA Agrar GmbH. Diese ist wiederum mehrheitlich in die GRUMA-Unternehmensgruppe eingebunden. Für den traditionsreichen Büffelbetrieb am Landgutweg ist die Lage differenzierter. Aktuelle Berichte und amtliche Verzeichnisse nennen weiterhin die Landgut Chursdorf GbR sowie den Landwirt Peter Schloßer im Zusammenhang mit Büffelhaltung, Milchverarbeitung und Direktvermarktung. Damit bezeichnet „Landgut Chursdorf“ heute sowohl eine Unternehmensgesellschaft als auch einen landwirtschaftlichen Standort mit eigener Betriebsgeschichte.
Die Eigentumsverhältnisse der Landgut Chursdorf GmbH
Die Landgut Chursdorf GmbH ist beim Amtsgericht Chemnitz unter HRB 24941 eingetragen. Ihre Gründung wurde am 29. April 2009 registriert, das Stammkapital beträgt 25.000 Euro. Als erster Geschäftsführer erscheint Peter Schloßer. Der Unternehmensgegenstand umfasste zunächst landwirtschaftliche Erzeugung und damit verbundene Leistungen. Im Jahr 2015 wurde er breiter gefasst: Genannt wurden die Produktion, Bearbeitung, Verarbeitung und der Absatz landwirtschaftlicher Güter, die Herstellung daraus gewonnener Erzeugnisse, Vermögensverwaltung sowie landeskulturelle Leistungen.
Der Jahresabschluss der GRUMA Agrar GmbH für 2023 weist die Landgut Chursdorf GmbH als hundertprozentige Tochtergesellschaft aus. Damit ist die unmittelbare Eigentümerin der GmbH die GRUMA Agrar GmbH mit Sitz in Leipzig. Die Landgut Chursdorf GmbH verfügte demnach über ein Eigenkapital von knapp 599.000 Euro und erzielte 2023 einen Jahresüberschuss von rund 68.700 Euro. Diese Zahlen betreffen die GmbH und dürfen nicht automatisch auf sämtliche Tätigkeiten des Büffelhofes oder auf die frühere GbR übertragen werden.
Die Verbindung zur GRUMA-Gruppe
Die GRUMA Agrar GmbH stand laut dem veröffentlichten Abschluss zum Ende des Jahres 2023 zu 66,67 Prozent im Eigentum der GRUMA Fördertechnik GmbH. Diese wird vollständig von der Gruma Nutzfahrzeuge GmbH gehalten und in deren Konzernabschluss einbezogen. In wirtschaftlicher Hinsicht gehört die Landgut Chursdorf GmbH damit zum landwirtschaftlichen Unternehmensbereich der GRUMA-Gruppe. Die restlichen Anteile an der GRUMA Agrar GmbH werden in der herangezogenen Veröffentlichung nicht namentlich aufgeschlüsselt. Eine weitergehende Aussage über sämtliche mittelbaren Anteilseigner wäre deshalb ohne zusätzliche Registerunterlagen nicht belastbar.
Seit dem 15. Januar 2026 ist Frank Pakulat als Geschäftsführer der Landgut Chursdorf GmbH eingetragen. Zuvor führten unter anderem Olaf Böckers, Stefan Baasch und Lutz Eimecke die Gesellschaft. Auffällig ist außerdem die seit Dezember 2016 im Register vermerkte Geschäftsanschrift Hofstraße 3 in Penig. Sie entspricht dem Umfeld weiterer GRUMA-Agraraktivitäten in der Region. Der historische Büffelhof wird dagegen meist mit dem Landgutweg in Chursdorf verbunden.
Vom gemischten Milchviehbetrieb zum bekannten Büffelhof
Die Geschichte des landwirtschaftlichen Betriebes begann nicht mit Wasserbüffeln. Ältere Selbstdarstellungen beschreiben das Landgut als Gemischtbetrieb mit deutlichem Schwerpunkt in der Milchproduktion. Gehalten wurden vor allem schwarzbunte Milchrinder und in kleinerer Zahl Tiere des Deutschen Fleckviehs. Mit steigender Milchleistung konnte die vorhandene Milchquote durch weniger Kühe erfüllt werden. Dadurch blieben Stallplätze frei, während zugleich nach zusätzlichen Einnahmequellen gesucht wurde.
Im Jahr 1999 begann die Haltung von Wasserbüffeln. Die Tiere waren anfangs eine Ergänzung zur klassischen Rindermilchproduktion. Aus dem Versuch entwickelte sich nach und nach das prägende Profil des Hofes. Eine touristische Konzeption der Stadt Penig bezeichnete die Büffelhaltung später als bundesweit auffälliges Merkmal des Ortes. Im Januar 2003 eröffnete nach einer Peniger Zeittafel die erste Verkaufsstelle Sachsens für Büffelerzeugnisse. Damit war der Betrieb früh in einem Markt aktiv, der damals in Deutschland noch wenig verbreitet war.
Käse, Milch, Fleisch und Direktvermarktung
Aus der Haltung entstand eine breite Verarbeitungskette. Das Landgut vermarktete Trinkmilch, Joghurt, Frischkäse, Schnittkäse und Mozzarella aus Büffelmilch. Hinzu kamen Fleisch, Wurst, Schinken und weitere Spezialitäten. Ein regionaler Einkaufsführer nannte außerdem einen Hofladen, Verkaufswagen auf Wochenmärkten, Führungen und „erlebnisorientiertes Einkaufen“. In der Schaukäserei konnten angemeldete Gruppen verfolgen, wie die Milch verarbeitet wurde. Der Betrieb verband damit Landwirtschaft, Lebensmittelherstellung und ländlichen Ausflugstourismus.
Seit 2012 wurden nach einem Bericht aus dem Jahr 2017 auf dem Landgut ausschließlich Wasserbüffel gehalten. Damals war von etwa 170 Tieren die Rede, von denen rund 30 gemolken wurden. Die Herde lieferte Milch für die eigene Käserei und Tiere für die Fleischvermarktung. Die Fütterung wurde in einer gastronomischen Darstellung als weitgehend geschlossener Kreislauf beschrieben, bei dem im Winter betriebseigene Futtermittel eingesetzt wurden.
Auch wissenschaftlich fand die Herde Beachtung. Forschende der Universität Halle untersuchten unter Beteiligung des Landgutes die Fettkügelchengröße in Büffelmilch. Die Arbeit wurde im Umfeld des Weltbüffelkongresses veröffentlicht. Solche Kooperationen zeigen, dass Chursdorf nicht nur als Verkaufsstelle, sondern zeitweise auch als Praxisbetrieb für Fragen der Büffelzucht, Milchqualität und Tierhaltung wahrgenommen wurde.
Chursdorf wird zum „Büffeldorf“
Die Büffel prägten zunehmend das Bild des gesamten Ortsteils. Ortschaftsrat, Förderverein und Landgut entwickelten Anfang der 2010er-Jahre das Leitbild „Büffeldorf Chursdorf“. Geplant waren unter anderem ein Büffelpfad, touristische Angebote, eine bessere Besucherführung und eine engere Verbindung von Hof, Landschaft und Dorfleben. Mehr als 50 Einwohner nahmen 2012 an einem Workshop in der Käserei teil. Im selben Jahr fand auf dem Landgut der elfte Deutsche Büffeltag statt.
Manfred Thiele wurde zu einer zentralen Persönlichkeit dieser Entwicklung. Er trat als Gesellschafter der Landgut Chursdorf GbR, Landwirt, Büffelzüchter und kommunal engagierter Chursdorfer öffentlich in Erscheinung. Märkte, Hofführungen und regionale Veranstaltungen waren eng mit seinem Namen verbunden. Ein Nachruf der „Freien Presse“ würdigte ihn 2022 als Impulsgeber des Ortes, hielt jedoch auch fest, dass die Büffelhaltung wirtschaftlich nicht den erhofften Erfolg gebracht habe.
Das Insolvenzverfahren von 2016
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten mündeten 2016 in ein Insolvenzverfahren. Betroffen war nach den veröffentlichten Meldungen ausdrücklich die Landgut Chursdorf GbR, nicht die im Handelsregister fortbestehende GmbH. Im Sommer 2016 wurde bekannt, dass die Gesellschaft zahlungsunfähig sei und ihre Inhaber die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt hätten. Anfang Oktober wurde berichtet, die überschuldete GbR stehe etwa vier Wochen nach Verfahrenseröffnung zum Verkauf.
Ende 2016 unterstützten die Gläubiger einen Rettungsweg, der die Fortführung ermöglichen sollte. Der Büffelbetrieb sollte nach damaliger Planung bis Mitte 2017 an einen neuen Eigentümer verkauft werden. Öffentlich zugängliche Kurzmeldungen belegen damit den Sanierungs- und Verkaufsversuch, nennen jedoch keinen vollständigen Kaufvertrag und erklären auch nicht zweifelsfrei, welche Tiere, Flächen, Gebäude, Markenrechte oder Betriebsteile in einem möglichen Verkauf enthalten waren.
Warum GbR und GmbH nicht verwechselt werden dürfen
Die Trennung der Rechtsformen ist entscheidend für die Eigentümerfrage. Eine GbR gehört ihren persönlich verbundenen Gesellschaftern und war historisch mit Manfred Thiele und Peter Schloßer verknüpft. Die GmbH besitzt dagegen eigene Rechte und Vermögenswerte; ihre Anteile können unabhängig vom Bestand der GbR übertragen werden. Dass beide Gesellschaften den Namen Landgut Chursdorf trugen, am selben Standort wirkten und ähnliche landwirtschaftliche Tätigkeiten verfolgten, macht die öffentliche Wahrnehmung unübersichtlich.
Aus den verfügbaren Unterlagen lässt sich nicht seriös ableiten, dass das Insolvenzverfahren der GbR automatisch zu einem vollständigen Verkauf des gesamten Landgutes an die heutige GmbH-Mutter führte. Sicher belegt ist lediglich, dass die GmbH aktiv blieb, Ende 2016 ihre Geschäftsanschrift änderte und heute vollständig der GRUMA Agrar GmbH gehört. Ebenso belegt ist, dass die Bezeichnung Landgut Chursdorf GbR auch Jahre nach der Insolvenz in regionalen und amtlichen Verzeichnissen weiter auftauchte.
Welche Tätigkeiten heute noch erkennbar sind
Ein Bericht aus dem Oktober 2024 beschreibt Peter Schloßer als Eigentümer von mehr als 30 Wasserbüffeln auf Weiden bei Chursdorf. Die Tiere dienten weiterhin der Milch- und Fleischproduktion. Ines Engel verarbeitete die Milch in der Hofkäserei, während Käse und weitere Erzeugnisse bis nach Berlin nachgefragt wurden. Der Bericht spricht vom Büffelhof Chursdorf und zeigt, dass der spezialisierte Betriebszweig trotz der früheren Krise fortgeführt wurde.
Auch ein amtliches Verzeichnis des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit führte 2025 sowohl die Landgut Chursdorf GbR als auch Peter Schloßer am Standort Chursdorf. Daraus folgt nicht zwingend eine bestimmte Eigentumsverteilung an Grundstücken oder Gebäuden, wohl aber eine fortbestehende betriebliche Präsenz. Die heutige Nutzung scheint daher aus mehreren Ebenen zu bestehen: der konzernverbundenen Landgut Chursdorf GmbH, dem örtlichen Büffel- und Käsereibetrieb sowie möglicherweise persönlich gehaltenen landwirtschaftlichen Vermögenswerten.
Ein Landgut mit geteilter Unternehmensgeschichte
Die Frage „Wem gehört das Landgut Chursdorf?“ lässt sich nur mit einer abgestuften Antwort korrekt beantworten. Die Landgut Chursdorf GmbH gehört nach dem jüngsten eindeutig veröffentlichten Beteiligungsnachweis zu 100 Prozent der GRUMA Agrar GmbH und damit mittelbar zum Agrarbereich der GRUMA-Gruppe. Geschäftsführer ist seit Januar 2026 Frank Pakulat. Diese Aussage ist für die Kapitalgesellschaft klar und nachvollziehbar.
Das bekannte Bild des Landgutes mit Wasserbüffeln, Hofkäserei und Direktvermarktung ist jedoch älter als die heutige Konzernzugehörigkeit. Es entstand aus einem gemischten Milchviehbetrieb, der 1999 mit der Büffelhaltung begann und daraus ein eigenständiges regionales Profil entwickelte. Manfred Thiele und Peter Schloßer prägten diese Zeit. Der Hof eröffnete früh eine Verkaufsstelle für Büffelerzeugnisse, produzierte Käse, Milch- und Fleischwaren, belieferte Märkte, bot Führungen an und wirkte an der touristischen Idee des „Büffeldorfs“ mit.
Das Insolvenzverfahren von 2016 betraf die GbR und markierte eine tiefe wirtschaftliche Zäsur. Der geplante Verkauf sollte den Betrieb erhalten, doch die frei zugänglichen Quellen dokumentieren nicht lückenlos, wie sämtliche Vermögenswerte anschließend verteilt wurden. Gerade deshalb wäre es ungenau, die GRUMA Agrar GmbH pauschal als Eigentümerin jedes Gebäudes, jeder Fläche, der Büffelherde und aller Vermarktungsaktivitäten zu bezeichnen.
Belastbar ist vielmehr folgendes Gesamtbild: Die GmbH steht heute vollständig im Eigentum der GRUMA Agrar GmbH. Parallel blieb die Chursdorfer Büffeltradition im Umfeld von Peter Schloßer, der Hofkäserei und der Landgut Chursdorf GbR sichtbar. Das Landgut ist damit kein Unternehmen mit einer geradlinigen Eigentümerbiografie, sondern ein landwirtschaftlicher Standort, dessen Name mehrere Gesellschaften, Personen und Entwicklungsphasen verbindet. Seine Geschichte reicht vom klassischen Milchviehbetrieb über einen bundesweit beachteten Büffelhof bis zu einer Unternehmensstruktur, in der regionale Landwirtschaft und ein größerer Agrarverbund nebeneinanderstehen.
Quellen:
eigene Recherche
Der Beteiligungsnachweis von 100 Prozent beruht auf dem veröffentlichten Jahresabschluss der GRUMA Agrar GmbH für 2023. Die aktuelle Geschäftsführung und die Registergeschichte der Landgut Chursdorf GmbH wurden anhand der bis Januar 2026 erfassten Bekanntmachungen geprüft.
Die Angaben zur Büffelhaltung seit 1999, zur Verarbeitung und Direktvermarktung sowie zum „Büffeldorf“ ergeben sich aus regionalen Veröffentlichungen, wissenschaftlichen Unterlagen und kommunalen Dokumenten.
Das Insolvenzverfahren betraf nach den verfügbaren Veröffentlichungen die Landgut Chursdorf GbR. Der geplante Verkauf und der von den Gläubigern unterstützte Fortführungsweg wurden im Herbst 2016 öffentlich dokumentiert.
Die fortgesetzte Büffelhaltung und Käseproduktion im Jahr 2024 sowie die amtlichen Einträge von 2025 stützen die beschriebene Trennung zwischen GmbH, GbR und dem örtlichen Büffelbetrieb.
